Dienstag, 27. August 2013

Interview auf natur.de: Afrikas ältestem Nationalpark droht ökologisches Desaster

Johannes Kirchgatter WWF Afrika Referent
Johannes Kirchgatter, WWF Afrika-Referent
© Percy Vogel / WWF
Vor ein paar Tagen hat sich Karin Schlott von natur.de mit Johannes über den Virunga Nationalpark und unsere Kampagne unterhalten. Das ausführliche Interview bringt das ganze Problem um Virunga und den geplanten Ölbohrungen im UNESCO Weltnaturerbe auf den Punkt:

natur: Herr Kirchgatter, der britische Ölkonzern Soco plant, Ölfelder im Virunga-Park ausfindig zu machen. Welche Folgen befürchten Sie für Ökologie und Umwelt? 
Massive Schäden – und die entstehen nicht erst bei der Ölförderung, sondern in einem so empfindlichen Ökosystem schon bei der Exploration. Es werden Straßen gebaut und Suchschneisen durch die Vegetation geschlagen. Dann folgen so genannte Survey-Maßnahmen wie Schalluntersuchungen in Gewässern. Aber die Konzerne erkunden das Gebiet ja nicht zum Spaß, sondern gehen ganz stark davon aus, Öl zu finden. Und die Erschließung und Förderung hat massive Auswirkungen. Da sind allein schon die Infrastrukturmaßnahmen, sie müssen Bohrtürme und Unterkünfte bauen und eine Pipeline legen. Das hat verheerende Folgen für alle Ökosysteme im Nationalpark. Von Ölverschmutzung der Gewässer, Zerstörung durch Baumaßnahmen bis hin zu den zahlreichen Menschen, die dorthin ziehen, in der Hoffnung Arbeit zu finden. Die Nachfrage für Wildfleisch wird steigen, und Wilderer werden über die neuen Straßen in den Park eindringen. Genauso lief es in vielen anderen Entwicklungsländern ab. Das Ökosystem wird unwiederbringlich zerstört, und damit auch die Lebensgrundlage der Bevölkerung vor Ort – allein am Eduardsee leben 30.000 Menschen vom Fischfang. Am Ende bleibt ein zerstörtes Ökosystem zurück, die Gewinne wandern in den Westen, und die Bevölkerung geht leer aus.
Zudem stellt Johannes Alternativen zu den geplanten Ölbohrungen vor, die dem von Armut und Bürgerkrieg gezeichneten Land helfen könnten, den Nationalpark ökonomisch zu nutzen ohne ihn zu zerstören.

Interview: www.natur.de

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